AKTUELL

'FREUNDINNEN'

18.02. - 16.09.2018

FRAUENMUSEUM BONN

NURAY TURAN / YAKUT AYVERDI

 

2010 Frauenmuseum Bonn-'Moneta' Bonn

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MONETA
Frauen & Geld in Geschichte und Gegenwart

 

Nuray Turan
Hinter den Spiegeln

Von Spiegeln kann man viel lernen. Oder von der Art und Weise, wie in sie hineingeblickt wird. Das Spiegelbild prägt den Eindruck, den man von sich selbst hat, und ist dennoch trügerisch, da ein seitenverkehrtes Bild zurückgeworfen wird.
Im
Œuvre von Nuray Turan haben Spiegel einen besonderen Platz. In einer früheren Werkgruppe tauchen aus farbigen Schichten oder gemalten Stoffbahnen die Augen von Frauen auf. Der Rest des Gesichts ist nicht zu sehen. Dadurch bekommt allerdings der Blick eine besondere Intensität. Augen sind Spiegel der Seele, so heißt es.

Die Spiegel sind nun nicht mehr symbolisch in der Malerei vorhanden, sondern konkret. Sie dienen der Künstlerin als Malgrund, der mit Acrylfarbe bedeckt und nach dem Trocknen partienweise wieder frei gekratzt wird. Die jeweilige Formgebung erfolgt also in einem Negativ-Verfahren, das eine technische Eigenentwicklung der Künstlerin ist. In der jüngsten Serie dieser Spiegel-Bilder dominieren die Farben Weiß und Rot. In den Farben der türkischen Nationalflagge sind Frauennamen zu lesen, umrahmt von einer jeweils unterschiedlichen Anzahl stilisierter Tulpen – mit und ohne Stängel.

Die rechte Spiegelseite bedeckt jeweils eine große, rote Tulpe in „Nuray Turan - Form“, also als individuell stilisierte Blume, die wie ein zartes Gewebe durchbrochen erscheint. Die Struktur besteht allerdings nicht aus ornamentalen Formen, sondern aus den in die Farbe geschriebenen Namen – schier endlos wiederholt. Diese Wieder- und Wiederholung wirkt entgegen dem Vergessen: Die Namen gehören ausnahmslos berühmten, erfolgreichen und starken türkischen Frauen. Vergessen werden sollen nicht jene, die bereits verstorben sind, aber auch nicht jene, von denen in Deutschland noch kaum jemand gehört hat. Oder hören wollte.

Nuray Turan setzt hier einen Gegenakzent: Sie weist ausdrücklich auf die türkische Medizinerin, die Autorin, Unternehmerin, Kampfpilotin, Filmschauspielerin, Opernsängerin, Bankerin oder Wissenschaftlerin hin. Und macht damit jenen Mut, die den Schritt in die eigene berufliche Zukunft noch nicht machen konnten oder sogar wollten. Und plädiert für ein Türkeibild, in dem genau die starken Frauen eine entscheidende Rolle spielen. Dieses positive Bild kann man in den Spiegeln finden, im Lesen und Erinnern der bedeutenden Namen. Und überraschenderweise erkennt man dann in der spiegelnden Schrift nichts anderes als den eigenen Blick.

Dr. Romana Breuer

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nuray turan
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